heute ist die Hälfte geschafft, die Hälfte liegt noch vor mir. Ich weiß nicht, wie ich es formulieren soll. Egal wie ich es schreibe, es klingt falsch. Ich bin 74 Mal in diesem Zimmer aufgewacht mit Blick aus dem Fenster, wo ich den Sonnenaufgang an der Verfärbung des Himmels verfolgen konnte. 74 Mal werde ich diesen Ausblick noch genießen können. Oder um es anders zu sagen - 10 Wochen liegen noch vor mir. Wie auch immer, es ist Zeit für eine Zwischenbilanz:
Die Uni
Es ist unglaublich, aber die Vorlesungen sind schon in 2 Wochen ungefähr vorbei. Dann wartet die Prüfungszeit auf mich. Ich bin wirklich gespannt, wie das ablaufen wird. Da muss ich nochmal mit den Dozenten reden. Ansonsten ist die Uni wirklich gut. Der Tagesablauf ist irgendwie besser, als in Potsdam. Ich habe hier zwar anstrengende Dauervorlesungen nur durch kurze Pausen unterbrochen, aber dadurch zieht sich der Unitag nicht so lange hin. Meistens habe ich Mittags Schluss. Daran habe ich mich schon gewöhnt. Es wird schwierig wieder in Deutschland von viertel 10 bis dreiviertel 6 Uni zu haben und im Dunkeln nach Hause zu kom
men. Der Heimweg hier ist sonnig und hell. Die Vorlesungen sind anstrengend, aber interessant. Naja, ist halt Mathe, ihr kennt mich ja. Die Studenten hier sind auch total nett. Man wird sofort eingegliedert und die Neugierde, wie das Leben in Deutschland ist, ist enorm. Die Temperaturen können sie sich nicht vorstellen. Hier gab es seit Ewigkeiten keinen Schnee mehr. Wenn ich von Minusgraden erzähle, erschaudern alle. Doch wenn eine Schabe über den Boden krabbelt, ist das Geschrei riesig. Verrückt, wie sehr sich erwachsene Menschen von einem kleinen Tierchen erschrecken lassen.Das Wetter
Ich muss an dieser Stelle auch etwas zum Wetter sagen. Ich habe anfangs echt gefroren in meinem Zimmer. Draußen war es kalt, windig und regnerisch. Höhepunkt dieses ekelhaften Wetters war Ostern. Nie werde ich meinen Weg zur Kirche vergessen. So durchweicht war ich lange nicht mehr. Doch langsam wurde es besser und inzwischen ist der sardische Frühling
da. Wir haben morgens schon knapp unter 20 Grad und in der Sonne fühlt es sich nach 30 Grad an. Der Wind kann teilweise richtig kalt wehen, aber er kühlt es schön ab. Ich freue mich auf die nächste Zeit hier.Die Siesta
Auch sie verdient die Aufnahme in diese Liste. Sie ist so wichtig hier. Zwischen 2 und 5 am Nachmittag ist die Stadt hier wie ausgestorben. Dafür wird es abends richtig voll. Gegen 11 ist auf dem Piazza Yenne kein Stuhl mehr frei. Und die Kinder toben auch noch zwischen den Tischen umher. Es ist eine schöne Lebensart.
Die Wohnung
Ich habe es echt gut getroffen. Das Zimmer ist schön groß und gemütlich. Ich fühle mich wohl und auch sonst ist die Wohnung klasse. An den Gasherd habe ich mich gewöhnt und genieße meine neuen Entdeckungen, was ich alles kochen kann. Die Mitbewohner sind nett. Es ist ein friedliches Nebenherleb
en, da 2 ja in einer Pizzeria arbeiten und tagsüber schlafen.Heimweh
Das ist ein Thema, vor dem ich in Deutschland richtig Angst hatte. Doch ich kann vermelden, dass ich kein Heimweh habe. Sicher, ich vermisse euch alle - am 20. Februar habe ich Mama und Papa das letzte Mal gesehen. Doch es geht mir sehr gut hier und ich genieße meine Zeit. Aber gleichzeitig freue ich mich schon auf euch, auf zu Hause, auf mein Zimmer und meine Freunde.
Das Essen
Ein wichtiger Punkt. Mein Pastaverbrauch hier ist enorm. Pasta mache ich mir in allen Varianten zum Abendbrot. Es schmeckt so lecker. Doch auch die Pizza ist genial. Und ich als totaler Kaffee-Verweigerer habe hier erkannt, wie toll Cappuccino ist. Ich vertraue darauf, dass ich bei Linda ab und zu einen bekomme. Ansonsten ist die Mensa hier total anders als in Deutschland. Das fängt mit dem System der Karte an und hört mit den mehreren Gängen auf. Aber wirklich oft gehe ich nicht in die Mensa. Eher koche ich mir selber was.
Das Erasmus-Leben
Unter diesen Punkt kommen die Partys. Ich habe hier die ersten eineinhalb Monate gefeiert was das Zeug hält. Das hat meinem Schlafbedürfnis gar nicht gut getan. Inzwischen habe ich mich etwas zurückgehalten und mein Schlafdefizit wieder verringert. Am Freitag geht es auf die nächste Party....
Die Leute
Es ist eine ande
re Mentalität hier. Das merkt man sofort, aber sie sind unglaublich offen und freundlich. Ich habe hier viele Leute kennengelernt, bei denen ich hoffe, dass der Kontakt auch nach dem Semester bestehen bleibt. Es ist wirklich toll hier.Italienische Kuriositäten
Diese Überschrift ist etwas grober, damit ich alles, was nicht unterkam, noch schreiben kann. Wie oft mir hier das Herz schon in die Hose gerutscht ist, wenn ich den Verkehr beobachtet habe. Die Autofahrer treten in letzter Minute auf die Bremse und kommen halb auf dem Zebrastreifen zum Stehen. Und im Bus - wie der die Straßen langrast... Echt Wahnsinn. Meine Verwicklung in lautstarke italienische Diskussionen kennt ihr schon. Eine weitere Episode gibt es glücklicherweise auch nicht. Meine Mittagspausen verbringe ich jetzt gerne im giardino pubblico unter einer Palme. Dieser Park ist näher an meiner Fakultät als der Strand. An den Strand gehe ich meistens nur am Wochenende, da es wochentags einfach zu aufwendig ist. Ich war bisher erst einmal im Meer baden, aber schon unzählige Male mit den Füßen im Wasser. Das Wasser ist unglaublich blau und klar. Wunderschön. Dabei habe ich mir auch schon einige Sonnenbrände geholt, aber nicht so viele, wie manchanderer. Ich habe auch schon unzählige Male totalen Unsinn auf italienisch erzählt, aber eigentlich verstehen mich die Menschen ganz gut und ich sie zum Glück auch.
So, das war meine Zwischenbilanz. Sie liest sich etwas abschließend, dabei habe ich noch 74 wundervolle Tage vor mir, die mit Sicherheit schneller vergehen, als mir am Ende lieb ist. Doch ich freue mich darauf euch alles nochmal selber zu erzählen. Und die Fotos zu zeigen - bisher sind es unglaubliche 1133, von denen ihr trotz meiner Alben hier nur ein Bruchteil kennt.
Viele liebe Grüße an euch alle und danke an jeden Leser. Ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar.
Eure Sarah
Achja - meinen Sprachkurs habe ich bestanden - 8/10 Punkte, was genau das heißt? Keine Ahnung... :-)
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