Salve meine Lieben,
jetzt sitze ich in meine Bettdecke gekuschelt in der schönen Sitzecke, die wie für mich gemacht zu sein scheint, höre die Musik von meiner Abschiedsparty und schreibe euch mal wieder auf, was so passiert ist.
Der Montag brach an und das Wetter war immer noch traumhaft schön mit blauem Himmel und strahlender Sonne. In der Uni hatte ich nur einen Kurs - Geometria 2, der ganz schön ist. Der Dozent schafft es seine Begeisterung zu vermitteln. Und auf Italienisch klingt es irgendwie lustig, wenn er sich über irgendwelche Kleinigkeiten freut. Vom Verstehen her geht es auch, da es sich um ebene Geometrie handelt und ich das ja schon in Potsdam gemacht habe. Hier sind die Kurse übrigens immer mit 2 Stunden angesetzt - sprich ich hatte von 9 bis 11 Uni. Aber das bedeutet nicht, dass es auch so lange geht. Meist kommt der Dozent etwas später und eine Pause wird acuh oft gemacht, sodass es dann ungefähr 1 1/2 Stunden werden. Diese Verspätungen ziehen sich im übrigen durch das gesamte Leben - der Bus hat zwar eigentlich Fahrpläne, aber am Tag kommt er oft ein wenig später und abends dafür gerne mal ein bissl eher. Da muss man sich

dran gewöhnen, was aber auch nicht weiter schwierig ist. Ansonsten ist zum Bus noch zu sagen, dass er auch gerne schon losfährt, wenn die Türen noch nicht ganz geschlossen sind ... man muss halt aufpassen, dass man sich gut festhält, aber das ist hier auf den Straßen sowieso besser. Den Rest des Tages habe ich nicht viel gemacht. Ein Mittagsschlaf hat meinen Tagesrhythmus total durcheinander gewirbelt, aber tat sehr gut. Abends hab ich mich dann mit Steffi noch am Piazza Matteotti getroffen und wir sind in die Weinbar "Bossanova" gegangen. Dort ist es wirklich schön. Sie liegt in einer der älteren Straßen und hat tolle gemauerte Kreuzgewölbe (die genauen Bezeichnungen weiß ich leider nicht). Es ist sehr gemütlich da und die Leute sind richtig nett. Wir haben und einen Wein (Steffi Weiß und ich einen Roten) gegönnt, da hat uns der Wirt (in Ermangelung einer besseren Bezeichnung) einen Teller mit Bruschetta und Pommes hingestellt. Wir waren etwas verwirrt, aber haben dankbar zugegriffen. Beim Bezahlen kam dann die Überraschung - der Teller war umsonst und das Glas Wein kostet nur 2,50€. Wir sind dann noch auf einen Sprung in den Beergarden gegangen, wo eine Erasmus-Veranstaltung war. Es ist ein wenig wie das Lüdde in Quedlinburg, nur kleiner. Da denkt man, in Italien ist es ganz anders als in Deutschland und dann sowas. Wir haben uns auf jeden Fall gut mit Fileo, einem Italiener, unterhalten und als wir gegen halb 12 dann loswollten, hat er uns netterweise nach Hause gebracht. Dabei wartet er immer, bis die Haustür hinter einem ins Schloss gefallen ist....
Nach dem doch anstrengendem Tag musste ich am Dienstag früh zur Uni - Fisica 2, also eine Physikvorlesung stand auf dem Plan. Der Dozent ist ein ziemlich kleiner, älterer Herr, der zwar schön langsam spricht, aber irgendwie habe ich das Thema der Vorlesung immernoch nicht wirklich mitbekommen. Es geht um Kräfte, was ich dann wieder recht einfach finde, wenn er mal was an die Tafel schreibt, komme ich auch damit gut klar. Aber dann nach der Pause erzählt er uns irgendwas über Atome und Isotope. Sehr verwirrend diese Veranstaltung. An diesem Tag hat er mal alle Namen der Anwesenheitsliste (auch sowas gibt es hier und das blöderweise in der Vorlesung, die immer als erstes ansteht) vorgelesen und wollte die Menschen dazu sehen. Als er zu meinem Namen kam, hat er sich eine Weile gewundert, dass ich mit 2 "k" geschrieben werde. Dieser Buchstabe kommt im Italienischen eher selten vor. Anschließend gab es eine Vorlesung Analisi 4. Die Dozentin ist sehr sympathisch, aber sie redet in einem Tempo - da kann ich noch von lerne

n. In diesem Tempo schreibt sie allerdings auch die Tafel voll und da diese nicht besonders groß ist, kenne ich nun das Prinzip "Rechts-Schreiben-Links-Wischen" (vielleicht übertreibe ich ein wenig, aber es ist wirklich schnell). Diese Vorlesung ist auf alle Fälle echt super. Es geht zur Zeit um Taylor- und Fourier-Reihen und sie zeigt uns einige Sachen, die ich noch nicht kannte, aber die ziemlich hilfreich sind. Hier versteh ich auch alles, was sie so erzählt, kann auch daran liegen, dass ich das Thema schon kenne. Am Abend stand eine Party im "Movida" an. Ich bin vorher noch zu Steffi gefahren, die ziemlich nah beim "Movida" wohnt. Dort haben wir einen gemütlichen Abend in der Küche verbracht - zusammen mit Matthias (Österreich), Michael (Deutschland), Ilkka (Finnland) und Julien (Frankreich). Es war ein fröhlicher Wechsel zwischen den Sprachen, aber alles machbar. Gegen 12 sind wir dann auch endlich losgegangen. Im Movida selber war es schon ziemlich voll und es gab anfangs mal wieder Karaoke. Dann begann eine Band zu spielen - es war wohl spanischer Abend mit Flamencomusik. Es war nicht so richtig zum Tanzen, aber ganz in Ordnung. Da ich aber langsam müde wurde, habe ich mich gegen halb 2 los gemacht und bin nach Hause gelaufen und dann nur noch ins Bett gefallen.

Gestern musste ich dann wieder zu Geometria und anschließend zur Einführung in die Informatik. Geometria war wieder ganz lustig, wenn ich nun auch schon zum x-ten Mal die Polarkoordinaten erklärt bekommen hab. Aber Informatik?? Ich habe kaum was verstanden und das lag nicht nur an der Sprache. Ich bin einfach nicht für Progammierung gemacht. Das wird ein hartes Stück Arbeit, aber hier hab ich den Ehrgeiz das zu schaffen, da es die Chance der Anerkennung gibt und ich somit keinen Java-Kurs machen müsste... Also wird jetzt fleißig gelernt. Dann hatte ich zu Hause eine Stunde fürs Mittag essen, bevor ich zur Übung von Geometria musste. Das war ehrlich gesagt ein Reinfall. Die Tutorin war viel zu leise für den großen Raum und sie hat viel zu klein geschrieben. Die Aufgaben, die wir da durchgegangen sind, waren auch nicht wirklich anspruchsvoll - viel zu rechnen.... Ich hab dann noch erfahren, wo ich die Aufgaben finde und war voller Enthusiasmus diese zu machen. Zu Hause hab ich dann einen Zettel gefunden, dass ich doch bitte mein Geschirr abwaschen soll - es standen 2 Teller und meine Müslischüssel da....naja, nun sammle ich mein Geschirr in meinem Zimmer, bis ich Zeit habe, es abzuwaschen. Den Rest des Abends hab ich entspannt, mich aber dann gegen 10 entschlossen doch noch ins "Bossanova" zur Erasmus-Nacht zu fahren. Ich war pünktlich um 11 da - was man nicht tun sollte, wenn man in Italien ist. Naja, ich hab also noch ein Weilchen mit dem netten Wirt geplaudert und dann trudelten langsam die ersten ein. Es wurde laut und eng, aber es war sehr schön. Es ist auch toll, wenn man merkt, dass die Sprache besser wird und man, wenn man versucht, was auf Englisch zu sagen, erstmal an das Italienische denkt. Doch da ich ja wusste, dass ich wieder früh rausmusste, hab ich es bei einem Glas Wein belassen und bin gegen dreiviertel 1 gegangen.
Heute morgen war das Aufstehen wirklich nicht leicht - zumal wieder Fisica auf dem Plan stand. Ich kam mir heute vor, wie in Theoretischer Physik oder Mathematischen Methoden für Physik. Irgendwelche geschlossenen Integrale für den elektrischen Fluss. Nach Analisi bin ich in die Stadt gelaufen - durch herrliche Gässchen - um mit Steffi die Mensa zu suchen. Wir haben uns natürlich erstmal verlaufen, aber sie dann doch noch gefunden. Das ist vielleicht verwirrend da. Erst bezahlt man, dann bekommt man zu seiner Mensakarte noch ne zweite Karte und eine Rechnung. Dann kommt man in den Saal - es heißt anstehen, die zweite Karte durch ein Lesegerät ziehen und dann wird man an Tresen vorbeigelotst. Am ersten gibt es Nudeln, dann Fleisch/Fisch, dann Beilagen, zum Schluss Obst. Und alles auf netten Plastetellern, sodass am Ende das Tablett mit Plastik überladen ist und man muss echt aufpassen, dass man nichts runterschmeißt. Das Essen selbst war ganz gut. Anschließend sind Steffi und ich noch ins Auchan, ein Einkaufszentrum, um preiswerter einzukaufen. Lebensmittel sind hier wirklich teurer als in Deutschland. Ich hab mir auch noch einen kleinen Heizlüfter (der heißt wirklich so) gekauft, so dass ich zumindest keine kalten Füße mehr hab und mein Magen sich wieder beruhigen kann. Den Abend habe ich jetzt damit verbracht diesen Eintrag zu schreiben und ich gratuliere jedem, der es bis hierher durchgehalten hat. Ich werde demnächst ins Bett gehen - habe ein wenig Schlafdefizit...
Morgen gibt es dann wieder eine Party und am Wochenende werde ich mal entspannen und die Stadt - oder den Strand - erkunden. Das Wetter soll auf jeden Fall mitspielen.
Also bis bald
Eure Sarah
Freue mich übrigens, dass so viele meine Erlebnisse hier mit"erleben"
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